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Gedicht Allgemeines Du bist es nicht!

Du bist es nicht!

Eingereicht von Kirstin V. aus W.

Lang, viel zu lang ist es her.
Acht, neun oder sogar zehn Jahre?
Ich habe es vergessen.
Ich weiß es irgendwie nicht mehr.

Und jetzt, nach all der langen Zeit
Stehst du da, stehst vor mir, einfach so
Ganz nah und doch so endlos weit.

Was war das damals mit uns beiden?
Wir waren Blutsbrüder, echte Freunde?
Waren wir nicht sogar seelenverwandt?

Lachen konnten wir gemeinsam und weinen
Streiten, verrückt sein
Wir wollten es doch allen anderen zeigen.

Du stehst vor mir, wortlos.
Du bist mir fremd, so schrecklich fremd
Wer bist du heute?
Doch nicht mehr der, der keine Mauern kennt!

Mauern, Grenzen, Zäune, was war das doch gleich?
Das kannten wir doch gar nicht, wir doch nicht!
Kein Hindernis war uns zu hoch.
Kein Weg war uns zu schwer oder zu weit.

Kalt wird es mir, dich heut so zu sehen.
Spießig verkleidet als Biedermann
Ich kann es nicht ertragen.
Eigentlich möchte ich nur gehen.

Dein Plastikgesicht ist gezeichnet von Übermut und Arroganz
Jeder Schritt kontrolliert.
Jede Silbe verschnörkelt.
Vereint in Oberflächlichkeit und Ignoranz.

Hat man dir dein eigenes Ich gestohlen?
Hast du es verkauft, verpfändet oder gar verloren?
Nein, du bist es nicht! Nicht mehr der du mal warst.

Bist du heute ein Teil der Egoistenmaschinerie?
Hat man dich soweit gebracht, soweit getrieben?
Kocht dein heißes Blut heute nicht mehr?
Wo sind deine Träume von damals geblieben?

Unser Wille war unser Brot.
Der Verstand unsere Waffe.
Immer in Aufruhr, immer nach vorn
Gegen Kriege, Hunger und Not.

Auf dem Weg gegen das Unrecht auf dieser Welt
Wollten wir kämpfen
gegen die Gier nach Macht und Geld.
Immer gegen den Strom
Kein Blick zurück
Doch aus dieser Welt hast du dich längst verdrückt.

War es die Angst vorm Scheitern?
Oder war dir der Weg zu lang und zu weit?
Hat dich dein Mut verlassen?
Oder war es einfach nur Bequemlichkeit?

Du redest und redest und sagst doch kein Wort.
Was kommt da aus deinem Mund?
Ertappt von der Wahrheit
Auf der Flucht von der Erinnerung.

Vergiss es einfach! Lass es sein!
Geh weiter Deinen ebenen Weg!
Ohne Stock und ohne Stein.

Ein letzter Blick in dein Gesicht
Immer noch kalt, immer noch fremd.
Nein, das bist nicht du
Du bist es nicht!

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